Damit Totalrasur oder kurzer Haarschnitt möglich sind

Neue Nahttechnik aus Frankreich führt zu beinahe unsichtbaren Narben

Noch vor einigen Jahren wurde den Narben im Bereich des behaarten Kopfes kaum Bedeutung geschenkt. Heute fordern immer mehr Patienten bereits im Vorfeld eines Facelifts oder eines anderen Eingriffs die „unsichtbare Narbenbildung“. Eine neue Nahttechnik aus Frankreich kommt diesem Anspruch bereits sehr nahe.

Besonders Männer mit Kurzhaarfrisur oder Totalrasur legen immer mehr Wert auf eine ästhetische Narbenbildung im Bereich des behaarten Kopfes. Doch auf Grund der besonderen Anatomie führen Eingriffe in diesem Bereich zu breiten Narben. Diese sind umso sichtbarer, je stärker der Kontrast der Haarfarbe zur Kopfhaut ist. So fallen Narben bei schwarzen Haaren auf heller Haut wesentlich mehr auf als bei blonden Haaren auf heller Haut.

“Unsichtbare Narbe” vs. “haarsträubende”
Ziel des Wundverschlusses ist es, eine für den Patienten und dessen Umgebung „unsichtbare Narbe“ im Bereich der behaarten Kopfhaut schaffen. Doch warum ist dieses Ziel so schwer zu erreichen? Warum sieht man immer wieder im wahrsten Sinne des Wortes „haarsträubende“ Narben?

Viele chirurgisch tätige Ärzte klassifizieren die Kopfhaut wegen ihrer Behaarung als „leichtes Gebiet“ – der Kardinalfehler schlechthin. Die weitläufige Meinung lautet nach wie vor: „Die Narbe da oben ist nicht so schlimm, man kann ja die Haare darüber kämmen!“
Mit dieser grundsätzlich falschen Einstellung im Hinterkopf wurde und wird Vielerorts „drauflos operiert“. Folgende anatomische Besonderheiten finden dabei keine oder nur wenig Beachtung:

  • Die behaarte Kopfhaut verläuft über eine konvexe Fläche, die Haarwuchsrichtung wechselt ständig.
  • Die Spannungslinien der Kopfhaut variieren und wechseln ebenso.
  • Die Hautschnitte werden nicht parallel zur Haarwuchsrichtung gelegt: zum einen aus Unkenntnis, zum anderen aus Mangel an einer Lupenbrille („Ich sehe besser als alle anderen, nämlich wie ein Luchs, und habe keine Lupenbrille nötig!“).
  • Anwenden einer falschen Nahttechnik, die nicht den ästhetischen Kautelen entspricht, sondern teilweise den Kenntnissen aus
    der Notfallversorgung von Platzwunden entstammen.

Technik entscheidetüber Resultat
Unser Team beschäftigt sich seit 17 Jahren fast ausschließlich mit Haartransplantationen, also mit der behaarten bzw. zu behaarenden Kopfhaut. Das ermöglicht uns, die Narbenbildung zu beobachten und die Resultate verschiedener Techniken zu überprüfen. Wir haben unser Patientengut der letzten fünf Jahre, welches sich aus verschiedenen Indikationen zur Haartransplantation im Zusammenhang mit Narbenkorrektur vorstellte, analysiert und dokumentiert.
Unsere Nahttechnik wurde mit dem Ziel der Narbenverbesserung mehrmals verändert. Die bis Mai 2005 angewandte Technik führte zu sehr gute Resultate. Doch bei extrem kurzem Haarschnitt oder Totalrasur war sie immer noch sichtbar.

So das Verfahren bei unserer klassischen Nahttechnik:
Zunächst legt man den Schnitt möglichst parallel zum Verlauf der Haarwuchsrichtung. CAVE: Nicht die Galea eröffnen, im Bereich des Haarwurzelschaftes nicht koagulieren (später „Mäusefraßlöcher). Ist eine bipolare Blutstillung erforderlich, dann nur bei Gefäßen, die auf der Galea liegen. Je nach Beschaffenheit der Kopfhaut kann ein Defekt von 1 bis 2 cm Breite ohne Mobilisierung der Hautränder verschlossen werden. Für subkutane Einzelknopfnähte verwenden wir Monocryl 2.0. Dabei ist darauf zu achten, dass die Stich- und Zugrichtung sagittal verläuft. So werden die Haarwurzelschäfte nicht eingeengt. Die fortlaufende, sehr oberflächliche Hautnaht (running suture) erfolgt mit einem nicht resorbierbaren, monofilen Faden (3.0 oder besser 4.0). Eine bei Spannung angewendete überwend¬liche Nahttechnik führt zu Reißverschlussnarben (sichtbare alopezische Areale durch Follikelnekrosen).

„Streching-back“Phänomen
Selbst bei exzellenter Technik kann es, je nach Hauttyp, zu einer leichten Dehiszenz von 0,5 bis 2 mm kommen. Es tritt also ein gewisses „stretching-back“ Phänomen auf, obwohl kein Behandlungsfehler vorliegt.
Seit Juni 2005 verschließen wir die Wunden mit der Frechet-Technik. Dieses Verfahren wurde erstmals von Dr. P. Frechet aus Paris 2005 beschreiben und stellt die entscheidende Optimierung dar. Es stützt sich auf vier Säulen, das Ergebnis ist eine „unsichtbare“ Narbe:
1. Spannungsfreiheit.
2. Subkutane, nicht subgaleare Mobilisierung möglichst des kaudalen Wundrandes.
3. Deepithelialisierung des unteren Wundrandes um nur 1 mm.
4. Fortlaufende, einschichtige Nahttechnik ohne Störung der Vaskularisation und Verschiebung des deepithelialisierten Hautanteils direkt unter die zukünftige Narbe.

Zusammenfassend führt die Nahttechnik nach Frechet zu einer optisch kaum wahrnehmbaren, quasi unsichtbaren Narbe. Die Haare wachsen durch die Narbe hindurch. Dadurch wird die Narbenqualität im Bereich der behaarten Kopfhaut wesentlich verbessert. Diese Nahttechnik lässt sich bei jedem Wundverschluss oder bei einer Narbenkorrektur anwenden. Sie ist aufwändiger und erfordert etwas mehr Zeit als andere Verfahren, und sollte vor der Anwendung am Patienten trainiert werden.
haartransplantation
Exakte Schnittführung parallel zu den Haarwurzelschäften, klassischer zweischichtiger Wundverschluss: eine dünne, strichförmige Narbe verbleibt.

Frechet-Technik: Schnittführung parallel zu den Wurzelschäften, Deepithelialisierung des unteren Wundrandes um 1 mm, kaudale Mobilisierung um 0,5 bis 1 cm.

Nach der Abheilungsphase wachsen die ursprünglich deepithelialisierten Haarwurzeln durch die Narbe hindurch.

Dr. med. Frank G. Neidel, Dr. med. Karin Leonhardt, aesthetic TRIBUNE Ausgabe 4 , Juni 2006

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